Modellbahnthemen
Der Bau eines Stelltisches mit Holzoberfläche


Mit einem echten Stelltisch verfügt man über die komfortabelste Art, eine Modellbahnanlage zu steuern. Fahrstraßen werden zielsicher durch Drücken von Start- und Zieltaster eingestellt und ausgeleuchtet. Freie und besetzte Gleise sind durch Ausleuchtungen sofort erkennbar. Ein angeschlossenes Fahrpult erlaubt den blitzschnellen Zugriff auf jeden Zug.

Eine aus Holz gefertigte Stelltisch-Oberfläche ist nach Fertigstellung nur noch bedingt änderbar. Dafür ist sie jedoch sehr kompakt und unschlagbar preiswert.

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Eine aus Mosaikfeldern zusammengesetzte Stelltisch-Oberfläche sieht professionell aus und vermittelt vorbildnahes Betriebsgefühl.

Beispiel: MINITEC Stelltisch-Felder


Unterstützt durch Fotos wird die Entstehung des Stelltisches für die Anlage "Garing" geschildert. Der aus Holz gefertigte Stelltisch zeichnet sich durch seine kompakte Bauform und kurze Bauzeit aus. Das verwendete Werkzeug wird bei jedem Modellbahner vorhanden sein. Die Materialien bekommt man im Baumarkt.

Aus dem vorhandenen Gleisverlauf wird zuerst ein schematischer Anlagenplan entwickelt, der die geplante Stelltisch-Oberfläche darstellt. Ob sich dieser Plan eng an den tatsächlichen, oft verschlungenen Gleisverlauf anlehnt oder ob man die Verschlingungen auflöst und die damit oft einfache Struktur zeigt, hängt vom persönlichen Geschmack und den vorhandenen Platzverhältnissen ab.
Spurplan der Anlage Garing

Spurplan mit Bohrmarkierungen Sodann werden 3 Zeichnungen der geplanten Stelltisch-Oberfläche in Originalgröße angefertigt. Hier trägt man auch die Bohrungen für Taster, Schalter und LEDs ein. Das eingefärbte Bild links zeigt hierfür einen beispielhaften Ausschnitt.

Die gelben und roten Kreise markieren Löcher mit 3.2mm Durchmesser zur Aufnahme der Fahrstraßen-LEDs (gelb) und der Belegtmelder-LEDs (rot). An die Stelle der blauen Kreise werden einmal Taster zum Schalten der Fahrstraßen eingebaut. Nicht vorbildgerecht, für die Bedienung aber sehr hilfreich, sind Schalter zum Sperren der Blockausfahrten. Sie werden einmal in den grünen Kreisen untergebracht sein.

MpC-Hinweise:
1. Wer auf den Einbau von Schaltern verzichten will, kann alternativ auch Taster verwenden. Diese werden vom MpC-Programm als Flip/Flop interpretiert und benötigen zur Anzeige der aktuellen Stellung eine zusätzliche LED.
2. Beim Vorbild werden die Fahrstraßen von Signal zu Signal geschaltet. Dafür wären dann 2 Taster in jedem Block erforderlich. Wenn man jedoch (wie bei "Garing") die Fahrstraßen von Block zu Block schaltet, genügt 1 Taster pro Block.

In den erforderlichen Maßen kauft man eine 3 - 4mm starke Sperrholzplatte mit möglichst hellem Deckholz (Pappel). Sie wird mit Schnellschliffgrundierung satt gestrichen und nach dem Trocknen mit 240er Schleifpapier geschmirgelt. Ein nochmaliges Grundieren füllt die verbliebenen Unebenheiten der Holzmaserung weiter auf. Nach dem zweiten gründlichen Schliff erhält man eine fast glatte Oberfläche.

Foto 21 vergrößern Die erste Zeichnung der zukünftigen Stelltisch-Oberfläche wird mit Malerkrepp auf der Holzplatte fixiert. Mit der Bohrmaschine werden alle Bohrungen in den verschiedenen Durchmessern hergestellt. Der zerstörte Plan wandert anschließend in den Abfall.

Foto 18 Zurück bleibt die Oberfläche mit den Bohrungen. Mit Schleifpapier werden die Bohrgrate entfernt.

Dann wird die Holzplatte komplett mit 50mm breitem feinem Malerkrepp überklebt. Jetzt erwartet die zweite Zeichnung ihren Einsatz.
Foto 19

Für das Übertragen der Gleislinien auf das Malerkrepp wurde das althergebrachte "Durchpausen" angewendet: auf der Rückseite der zweiten Zeichnung werden alle Gleislinien mit einem weichen Bleistift in dünner Linie nachgezogen. Die so präparierte Zeichnung wird exakt an derselben Position wie die erste auf der Holzplatte befestigt. Bei einer transparenten Zeichnung ist das kein Problem. Bei einer Papierzeichnung legt man die richtige Position im Gegenlicht fest, indem man die im durchscheinenden Licht erkennbaren Bohrungen mit den Kreisen auf der Zeichnung zur Deckung bringt.

Foto 20

Mit einem weichen Stift werden nun alle Gleislinien durch kräftiges Nachzeichnen auf das darunter liegende Malerkrepp übertragen. Um keine Linie zu vergessen, nimmt man dafür am besten einen weichen Buntstift.

Foto 5 vergrößern Nach dem auch die zweite Zeichnung von der Holzplatte abgenommen ist, werden die einzufärbenden Flächen mit Bastelmesser und Lineal ausgeschnitten und das dort befindliche Malerkrepp vorsichtig mit der Pinzette entfernt.

Es folgt das Einfärben der nun freiliegenden Gleislinien. Wer DB-Look mag, nimmt hierfür matten schwarzen Lack (z.B. aus der Sprühdose).

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Tipp: Wer nicht so sehr am Vorbild hängt und dafür lieber die Übersichtlichkeit erhöhen möchte, färbt die Gleislinien einzelner Blöcke in unterschiedlichen Farben. Im abgebildeten Beispiel wurden hierfür vier Plaka-Farben gewählt.
Foto 1 vergrößern

Foto 7 vergrößern Jetzt kommt die schönste Arbeit, weil jetzt das zukünftige Ergebnis langsam Gestalt annimmt: das vorsichtige Entfernen des Malerkrepps mit einer Pinzette. Die zukünftige Oberfläche mit den Gleislinien wird sichtbar.

Das Entfernen des Malerkrepps geschieht langsam, um eventuell am Krepp anhängende Farbe mit dem Bastelmesser abtrennen zu können, bevor sie von der Holzplatte abreißt. Besonders die spitzen Ecken verdienen diese Aufmerksamkeit.

Foto 8

Das Ergebnis entschädigt für die bisher geleistete Arbeit!

Foto 9 Für die Beschriftung wurden Schablonen mit 3.5mm, 5mm und 7mm Schriftgröße und Rotring Tuschestifte verwendet. Alternativ können aber auch Abreibebuchstaben oder eine schöne Handschrift und wasserfeste Stifte eingesetzt werden.

Wichtig ist das anschließende Übersprühen der gesamten Oberfläche mit mattem Klarlack. Er schützt die aufgetragene Beschriftung, mindert Reflexionen und füllt verbliebene Kanten zwischen den Gleislinien und der Holzplatte aus.

Nachdem die Oberfläche fertig ist, folgt nun der Bau des Stelltischkörpers. Die Oberfläche wird mit einem Rahmen aus gehobelten Leisten (ca. 19/45mm) eingefaßt durch weitere mit Ponal eingeleimte Leisten 5/20mm ausgesteift. Bohrungen in den Aussteifungsleisten dienen zur Durchführung der Verdrahtung.
holzarbeit.gif

Der Rahmen mit der Oberfläche wird mit einem an der Vorderseite angebrachten Klavierband auf einer 16mm starken Holzplatte befestigt.

Tipps:
1. Legt man gegenüber dem Klavierband geeignete Unterleghölzer oder Keile zwischen Holzplatte und Rahmen, kann man später jede beliebige Stelltischneigung einstellen. Die Stelltische der DB haben eine Neigung von 15 Grad.
2. Die Lage der Aussteifungsleisten im Grundriß muß schon in der Planungsphase festgelegt und auf die Lage der Bohrlöcher in der Stelltisch-Oberfläche abgestimmt werden.

Foto 10 Beim Montieren der Taster, Schalter und LEDs werden die Anschlüsse immer in gleicher Weise ausgerichtet. Das erleichtert die Verdrahtung und vermeidet ein Verwechseln der Pole bei den LEDs. Mit 3.2mm war der Lochdurchmesser für die LEDs so knapp gewählt, daß ihre Montage ohne Klebstoff erfolgen konnte.

Eine LED wird in die Zange genommen und stramm in das Bohrloch gedrückt. An der Unterseite der Holzplatte war eine Vergrößerung der Löcher erforderlich um den LED-Kranz aufzunehmen. Die LED hätte sonst oben nicht aus der der 4mm starken Sperrholzplatte herausgeschaut. Für die Einhaltung der korrekten Bohrtiefe sorgte ein Bohrtiefenanschlag.

Foto 12 Die Verdrahtungsarbeiten erfolgen in bequemer Sitzhaltung mit einem 30-Watt-Lötkolben und Dauerlötspitze. Die 16mm Holzplatte dient als Arbeitstisch und dank des Klavierbandes ist die Unterseite der hochgeklappten Stelltisch-Oberfläche gut zugänglich.

MpC-Verdrahtungsanweisung:
Eine durchgehende Leitung verbindet den einen Pol aller Taster und Schalter mit GND des Netzteils NT1. Eine zweite durchgehende Leitung verbindet alle Anoden der LEDs (längerer Anschluß) mit +15 Volt des Netzteils NT1.

Foto 14 vergrößern Die Herstellung des zweiten Taster/Schalter-Anschlusses geschieht zweckmäßigerweise folgendermaßen: In den zur Steckkarte gehörenden Pfostenverbinder wird ein 16-poliges Flachbandkabel eingedrückt und dieser in die Pfostenleiste der Steckkarte eingesteckt. Das Flachbandkabel wird in die Nähe einer Taster/Schaltergruppe geführt, dort zunächst grob abgelängt und dann aufgespleißt. Die nun einzelnen Drähte des Flachbandkabels werden nach Belieben an die in der Nähe befindlichen zweiten Anschlüsse der Taster/Schalter angelötet.

Der zweite LED-Anschluß vollzieht sich in gleicher Weise. Nur kommen die Flachbandkabel hier von einer LED-Steckkarte.


Auf der linken Seite des Stelltisches ist ein Fahrpult zum Steuern der Züge angefügt worden. Hier sieht man die Verdrahtung des Fahrpultes. Die braune Platine oben rechts trägt drei 7-Segmentanzeigen zur Anzeige der angewählten Loknummer. Die beiden grünen Stege darunter enthalten die Anschlüsse einer Zifferntastatur zum Anwählen und Abfragen der aktuellen der Loknummer.

gbs_doku.gif Sind alle Artikel angeschlossen, folgt die Ermittlung der Artikel-Nummern mit dem Prüfprogramm. Sie werden in den dritten Plan der Stelltisch-Oberfläche eingetragen. Der Plan wandert anschließend in die Anlagendokumentation und dient als Nachschlagewerk.

Eine Ermittlung und Dokumentation der Taster- und Schalternummern ist nicht unbedingt erforderlich. Wenn beim Ausfüllen der MpC-Formulare eine Taster- oder Schalternummer einzutragen ist, wird einfach nur der betreffende Artikel im Stelltisch betätigt. Das Programm erkennt den betätigten Artikel und trägt seine Nummer automatisch in das Formular ein.

Foto 11 vergrößern
Die Mühe hat sich gelohnt!

Der selbstgebaute Stelltisch mit Holzoberfläche ist fertig und betriebsbereit.

Die Holz- und Malerarbeiten dauerten von Freitagabend bis Sontagnachmittag eines Wochenendes. Die Verdrahtung nahm ein zweites Wochenende in Anspruch. Die vielen Tage hingegen, die der Stelltisch nun schon in Betrieb ist und seinem Besitzer durch den unvergleichlichen Steuerungskomfort jedesmal erneut Freude bereitet, bleiben ungezählt.


Zusammenstellung der benötigten Materialien (ca. Preise in EURO)

MaterialEUROMengeMaterialEUROMenge
Sperrholzplatte (Pappel) 4mm10,00qmschwarzer Lack (matt)7,00150ml
Leimholzplatte (Fichte) 18mm28,00qmKlarlack matt (Sprühdose)7,50150ml
Dachlatte gehobelt 19/45mm1,00lfd.mGrundierung (CLOU G1)8,00500ml
Leiste gehobelt 5/20mm0,80lfd.mWeissleim Ponal express6,00225gr
Malerkrepp 50mm (Tesa Classic)7,0050mSchleifpapier (240er)0,302 Blatt
Stangenscharnier (Klavierband)4,00lfd.mSchrauben, Nägel, Pinsel3,00

Zusammengerechnet ergibt das ca. 62 EURO für eine Stelltischfläche von 0.5 qm.

Frank Ringstmeier, Arnsberger Weg 73, D-45659 Recklinghausen, Tel. 02361/5829350, Fax 5829352